#003 Smrti - die Kunst, sich an sich selbst zu erinnern

Es gibt Zeiten, in denen wir uns fremd werden. In denen der Alltag so laut ist, dass wir die eigene Stimme kaum noch hören. Wir funktionieren, wir erfüllen Erwartungen - und irgendwo tief drinnen fragt etwas leise: Ist das wirklich mein Leben?
Was ist das Wesentliche in meinem Leben. Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig?
Die Yogaphilosophie kennt dieses Phänomen. Was uns helfen kann ist Smrti.


Was ist Smrti?

Smrti bedeutet schlicht: Erinnerung. Im Yoga Sutra von Patanjali, dem klassischen Lehrtext des Yoga, wird sie als eine der fünf Bewegungen des Geistes beschrieben. Der Geist erinnert sich, hält fest, ruft zurück.

Patanjali unterscheidet zwischen zwei Qualitäten der Erinnerung: der, die uns gefangen hält in alten Mustern, Schmerzen und Geschichten über uns selbst. Und einer, die uns befreit. Die uns wieder erinnern lässt und uns zurückbringt, zu dem, was wirklich wahr ist in uns.
Genau diese zweite Qualität ist es, die mich fasziniert.

Erinnerung als Mut

Smrti hilft uns, mutig zu sein. Mut ist nicht das Fehlen von Angst. Mut entsteht oft aus einem einzigen Moment der Klarheit: Ich weiß, was mir wichtig ist.


Smrti, die Fähigkeit, uns zu erinnern. Nicht an vergangene Fehler, sondern an Momente, in denen wir uns lebendig gefühlt haben. An das, was uns bewegt hat,  an die Werte, die uns wirklich tragen.
Diese Erinnerungen sind dein innerer Kompass, sie erinnern dich daran, warum es gut ist weiterzugehen, trotz aller Zweifel und Widerstände. Weil du in diesem Moment der Stille weißt: Das bin ich.

Was der Yoga dazu sagt

Im Yoga sprechen wir von Samskaras, tiefen Einprägungen, die unsere Erfahrungen im Bewusstsein hinterlassen. Wie Spuren im Sand. Manche dieser Spuren führen uns immer wieder in dieselben Fallen. Aber andere lassen uns erinnern, wer wir wirklich sind. Smrti ist die Fähigkeit, bewusst diese Spuren zu finden. Diese Spuren, die uns ahnen lassen, wie es sich anfühlt wirklich frei zu sein.


Eine Übung 

Setze dich einen Moment aufrecht hin und nehme deinen Atem wahr. Lass den Atem kommen und gehen, ohne ihn zu verändern.
Dann lade diese Fragen ein:
Wann habe ich mich zuletzt wirklich lebendig gefühlt? Wer bin ich? Woran erinnere ich mich, wenn ich mich erinnere?

Lass Bilder, Momente, Gefühle auftauchen. Vielleicht ist es etwas Großes oder auch etwas ganz Kleines .... ein Lachen, ein Moment der Stille, ein Morgen im Freien...
Lass dabei los von dem was andere über dich sagen,  von deinen Rollen, deinen To-do-Listen, deinen Pflichten.
Welcher Moment hat sich jemals richtig angefühlt? Wann hast du gespürt: Ja! das bin ich?
Wenn ein Bild kommt, bleib dabei und spüre nach, was es in dir auslöst. Wo im Körper kannst du es wahrnehmen? 

Das ist Smrti, die Erinnerung an deinen inneren Kompass, dein inneres Wissen.

Zum Abschluß lege deine Hände auf deinen Herzraum und atme tief ein und aus. Und wenn der Alltag, dich wieder von dir wegzieht - komm zurück zu deiner Erinnerung, deinem Anker.


Yoga als Weg der Erinnerung

Für mich ist Yoga nicht nur Bewegung. Es ist ein Weg, immer wieder zu sich selbst zurückzufinden. Der Atem, der uns ins JETZT bringt. Die Stille, die uns zeigt, was wirklich zählt, und in der Erinnerungen an uns selbst wieder auftauchen dürfen.


Smrti lehrt uns: Erinnere dich. Immer wieder. An dich.

Wenn du Interesse an meinen Yogakursen in Überlingen am Bodensee oder online hast, melde dich gerne bei mir.